III: NACH DER PEREGRINATIO |
>> HOMEpage |
Von Casaubon nach Scaliger - Saeckmas Vetter in Genf - Casaubon von Franeker umworben - Von Lect aufgenommen, Frieslands Gegenleistung - Bouricius von Saeckma dem Casaubon empfohlen - Zusammenfassung - Übersicht der Briefe - Anhang (Bouricius an Casaubon)
Als der friesische Jurastudent Johann Saeckma im Frühjahr 1594 nach seinem Abschied von
der Universität Franeker eine Peregrinatio academica nach Heidelberg, Basel und Genf begann,
tat er das an erster Stelle für seine eigene Weiterbildung. In Heidelberg gab der Bakkalaureus
ersten Semestern Unterricht und bereitete er seine Promotion weiter vor. An der Universität
Basel erlangte er am 29. März 1595 "cum laude" die Doktorwürde. Nach Genf reiste er zur
Vervollkommnung seiner Französischkenntnisse.
Ein zweiter Zweck der Peregrinatio war die Begegnung mit berühmten Professoren wie Gruter
in Heidelberg und Casaubon und Lect in Genf. Dabei ging es im Fall Saeckma um mehr als
Freundschaftsbande.

|
Johann Saeckma war einer der ersten Studenten der im Jahre 1585 errichteten Universität Franeker. Noch ganz in der humanistischen Tradition stehend engagierte er sich sehr für die junge Akademie. Er genoss das Vertrauen der Professoren und hatte durch seine Onkel gute Beziehungen zu den Provinzialstaaten und deren Ausschuss, den Verwaltern der Universität. Mit den Professoren und den Förderern der Akademie erkannte er, dass die Universität (mehr) grosse Namen brauchte um sich behaupten zu können. Allein der Theologe Sibrandus Lubbertus und der Hebraist Johannes Drusius waren international bekannt. Die Berufung des Juraprofessors Dionysius Gothofredus (Denis Godefroy) hatte 1593 fehlgeschlagen.(l) | 1. Siehe meinen Artikel 'Peregrinatio academica in Germaniam. Friesische Jurastudenten in den deutschen Landen: Johann Saeckma und seine drei Vettern.' In: Grenzgänge. Literatur und Kultur im Kontext. Hrsg. von Guillaume van Gemert und Hans Ester. Amsterdam 1990, S. 379-397. Eine niederländische Version findet sich auf meiner Website: siehe die HOMEpage. |
Saeckmas Peregrinatio sollte, wenn vielleicht nicht offiziell, auch dazu dienen, berühmte ausländische Gelehrte für eine Professur an der Universität Franeker in Friesland zu interessieren.
>> begin
|
Nach einem fünfmonatigen Aufenthalt in Genf machte Saeckma sich Ende August 1595, vor der anstehenden Frankfurter Herbstmesse auf den Weg nach Hause. - Im Frühjahr und im Herbst, zu den Halbjahresbüchermessen in Frankfurt am Main, fand der meiste Verkehr von Menschen und Briefen statt. - Er wollte über Leiden reisen, um den grossen Justus Josephus Scaliger (Agen a.d. Garonne 1540 - Leiden 1609) zu sehen, der sich 1593 dorthin locken lassen hatte.(2) Dazu suchte er erst Isaac Casaubon (Genf 1559 - London 1614) auf, der seit 1582 Professor für Griechisch an der Universität Genf war(3) und dessen Vorlesungen er hörte. Saeckma bat ihn um ein Empfehlungsschreiben, was Casaubon ihm am 27. August gab. Aus diesem Empfehlungsbrief(4) wird deutlich, dass viele die Scaliger besuchen wollten, erst nach Casaubon gingen und diesen als Mittler benutzten. - Casaubon und Scaliger waren gute Freunde durch einen 1593 von Casaubon begonnenen Briefwechsel.(5) Casaubon war, wie Scaliger meinte, der grösste Gelehrte seiner Zeit und kannte besser Griechisch als er selbst. - Am Schluss seiner Empfehlung Saeckmas schreibt Casaubon, dass er hofft einst mit Scaliger in Leiden zusammenarbeiten zu können. Sie haben sich jedoch niemals gesehen. | 2. Durch seinen ehemaligen Klassengefährten Johannes Arcerius hatte Saeckma 1593 aus
Leiden von Scaliger, dem göttlichen Genie der Philologie, gehört. Vgl. Provinciale Bibliotheek
van Friesland, Codex Saeckma Nr. 193. |
Ob Saeckma ein Stammbuch oder "Album amicorum" besessen hat, ist nicht bekannt, jedoch sehr wahrscheinlich. Wenn es sich erhalten hätte, würde man darin bestimrnt Einträge von Scaliger und anderen Leidener Professoren und was Genf betrifft von Theodore de Bèze (Theodorus Beza), Isaac(us) Casaubon(us) und Jacques Lect (Jacobus Lectius) antreffen.
|
Vermutlich hat Saeckma während seiner Genfer Zeit bei Lect logiert. Jacques Lect (Genf 1560-1611), ein Schüler von Cujas, war 1583 von Beza dem Julius Pacius(6) als Kollege Juraprofessor zugefügt worden. Lects Unterricht wurde von 1589 bis 1592 unterbrochen, als die juristische Fakultät wegen des Krieges von Bern, Genf und Frankreich gegen Savoyen(7) geschlossen war. Als Pacius, der 1585 Genf verlassen hatte, am 3. August 1596 zurückkehrte, wurde Lects Stelle wegrationalisiert; nach Pacius' Umzug nach dem viel besser bezahlenden Nîmes wollte man gegen den Willen Bezas nicht Lect sondern dessen Schüler Jean Sarrasin einstellen. Von da an wurde die Fakultät nur vom Professor der Institutionen David Colladon besetzt bis Lect im Jahre 1600 wieder eingestellt wurde.(8) In den Jahren 1597, 1601, 1605 und 1609 war Lect Syndicus seiner Geburtsstadt und ausserdem leistete er noch diplomatische Dienste. So erwarb er bei der Königin von England und den niederländischen Generalstaaten finanzielle Unterstützung für die Universität. Daneben veröffentlichte er viele gelehrte Schriften(9), darunter zwei Arbeiten zum Strafrecht, als humanistischer Jurist selbstverständlich in der Form von Kommentaren zu lateinischen Autoren.(10) Lect war sehr gut befreundet mit Casaubon. | 6. Giulio Pace da Beriga (Vicenza 1550-Valenza 1635) hat an vielen Universitäten gelehrt:
Genf 1575-1585, Heidelberg 1585-1594, Sedan 1595, Genf 1596-1597, Nîmes 1597,
Montpellier 1598-1616, Valenza 1616-1617, Padua 1618, Valenza 1619-1635. |
Saeckma hat nach seiner Rückkehr in Friesland mit Casaubon und Lect korrespondiert.
Erhalten haben sich zwei Briefe von Casaubon an Saeckma (1596, 1613) und eine Antwort
(1597) sowie fünf Briefe von Lect an Saeckma (1596, 1597, 1598, 1605, 1609).
Vor kurzem habe ich noch vier Briefe von Saeckma an Casaubon in der British Library entdeckt:
1596, 1609, 1613, 1614: siehe meine HOMEpage.
>> begin
|
Aus der Antwort(11) auf einen Brief(12) den Saeckma an Vetter Wiarda am 30. April geschrieben hat, sei hier zuerst in Auszügen zitiert. Georg Wiarda hatte seine Peregrinatio 1594 zusammen mit Saeckma begonnen. Vor dem 21. Juni 1596 war er mit Aysma(13) im Gefolge des Professor Pacius von Heidelberg nach Genf abgereist.(14) Am 24. August 1596 schreibt er aus Genf: | 11. Brief Nr. 4. |
Beza hat gestern seine lange unterbrochenen Vorlesungen und Predigten wieder aufgenommen. Auch Lect ist in diesem August zu seinen Vorlesungen zurückgekehrt.(l5) In deinem Namen habe ich ihn angespornt, deinen Brief(16) zu beantworten, was er tun wird, wie er mir erwidert hat. Casaubon, der von vielen umworben wird und vor einiger Zeit auch von den Unsrigen berufen worden ist, zweifelt zwar, wo er am liebsten hingehen möchte, schreibt dir aber selber, wie ich vermute, in dieser Sache. Ich beglückwünsche uns mit Beyma; - Julius van Beyma war am 3. April zum Professor Iuris ernannt worden neben Henricus Schotanus, der seit der Eröffnung der Universität Franeker die juristische Fakultät dort allein geleitet hatte(17) - o könnte auch Casaubon in dieser Schar aufgenommen werden. | 15. Dieses im Gegensatz zu dem, was Borgeaud entlehnt worden ist; vgl. Anm. 8. |
|
Casaubon war seit 1594 unzufrieden in Genf. Gründe waren ein unzureichendes Gehalt, hohe Preise verursacht von der Blockade durch Savoyen, sein Verlangen nach Büchern(18) und Freizeit. Die Republik Genf war nicht arm, sondern erschöpft. Die Philologie galt wenig in Genf. Casaubons Wert wurde eigentlich nur darin gesehen, dass er Studenten anzog. Die Behörden die Lect entlassen hatten, könnten Casaubon jeden Tag sagen, dass sie nicht langer im Stande waren ihm zu bezahlen.(19) | 18. Zur Privatbibliothek des Casaubon: T.A. Birrell, The Reconstruction of the Library of
Isaac Casaubon. In: Hellinga Festschrift. Amsterdam 1980, S. 59-68. |
|
Wiarda hat sich in Genf ernsthaft der Rechtswissenschaft gewidmet, als gegen Ende des Jahres 1596 Markus Lycklama nach Genf kam. Dieser hatte am 3. November in Basel zum Doktor der Rechte(20) promoviert. Wiarda wohnte mit ihm, einem Franzosen und zwei Baslern zusammen. Lycklama reiste Ende Februar 1597 ab und nahm Wiardas Brief(21) vom 26. an Saeckma mit. Als Anwalt liess er sich am 9. Mai 1597 beim obersten Gerichtshof Frieslands in Leeuwarden immatrikulieren. | 20. K. Mommsen, Katalog der Basler juristischen Disputationen 1558-1818. Frankfurt am
Main 1978, Nr. 601. Eintrag ins Promotionsregister: 10. November 1596. Erste Station seiner
Peregrinatio war Heidelberg gewesen: 19. Juni 1596. Lycklama war Saeckmas bester Freund. |
|
Einige Male hatte Wiarda den Hospes gewechselt, auch eine zeitlang allein, ohne soziale Kontrolle, gelebt, sich zwischenzeitlich in Strassburg aufgehalten und sich hauptsächlich mit der Theologie und der Erlernung der französischen Sprache beschäftigt. Als er seinem Onkel und seinem Bruder geschrieben hatte, er sei Protestant geworden, hatten seine Angehörigen ihn gebeten, nach Hause zu kommen. Er meinte jedoch eine Peregrinatio müsse fünf Jahre dauern. Auf Saeckmas Veranlassung begann er sich auf seine Promotion vorzubereiten. In der Nachschrift seines Briefes vom 12. Dezember 1596 teilt Wiarda noch mit, dass Casaubon nach Montpellier umgezogen ist und dass angenommen wird, dass Lect dessen Platz, d.h. die klassische Philologie, übernehmen werde.(22) Bis im August 1597 ist Wiarda in Genf geblieben.(23 )Am 17. Dezember 1597 hat er sein Jurastudium mit der Promotion in Basel abgeschlossen.(24) Das bedeutete jedoch nicht das Ende seiner Peregrinatio, denn erst am 15. Oktober 1600 ist er in Leeuwarden Anwalt geworden. | 22. Brief Nr. 7. |
>> begin
|
Casaubon beantwortet am 25. August 1596(25) einen Brief von Saeckma, der zusammen mit Saeckmas Brief an Wiarda vom 30. April(26), mit Briefen von Drusius und Lubbertus an Casaubon und mit einem Brief von Saeckma an Lect verschickt sein dürfte. Drusius und Lubbertus haben zweifellos auf Veranlassung von Saeckma geschrieben: für Drusius war es der Anfang einer schriftlichen Beziehung, für Lubbertus eine erneute Aufnahme des Kontaktes, der während ihrer gemeinsamen Studienzeit gelegt worden war.(27) | 25. Brief Nr. 5. |
|
In einem einleitenden Absatz voller Topoi bestätigt Casaubon ihre Freundschaft, vor allem weil Saeckma daraus Vorteil ziehen könnte. Saeckma, der eine juristische Professur in Franeker erstrebte, hat ihn seinen wichtigsten Freund genannt. Dass seine Suetonausgabe(28) von den Gelehrten Frieslands so gut empfangen worden ist, freut Casaubon. Es wundert ihn jedoch, dass Professor Drusius(29), Saeckma und einige andere auf den Gedanken gekommen sind, ihn nach Franeker zu holen. Eine freundschaftliche oder eine ernst gemeinte Bemerkung? Saeckma wisse ja, wie er in Genf öfters von ihm gehört habe, dass er besseren Umständen für seine philologische Arbeit nachstrebe, einer Stelle ohne die Drohung von Feldzügen. Er denkt an ein Ehrenamt mit viel Freizeit, nicht eine Professur, wie sie ihm von den Universitäten Montpellier und Nîmes angeboten worden war. Ein Lehrstuhl ohne Dozierpflicht wie Scaliger ihn in Leiden innehatte, war offenbar sein Ideal.(30) Zum Schluss dankt Casaubon Saeckma für dessen Beitrag zu seinem Sueton. Er werde diesen sowie weitere Funde, die ausdrücklich willkommen seien, in der nächsten Ausgabe verwerten. Wie Saeckma ihn kenne, brauche er nicht zu befürchten, dass die Quelle nicht genannt werde.(31) | 28. Genf, Jacques Chouet, 1595. In;4. Nicht in der Bibliothek Saeckma;
vgl. Catalogus rarissimorum omni materia, facultate & lingua librorum bibliothecae instructissimae ...
Theodori Saeckma, in suprema Frisiae Curia senatoris dum viveret gravissimi, spectatissimi
... Franekerae 1666 (Auktion in Leeuwarden der Bibliothek des zweiten, am längsten lebenden
Sohnes von Johannes Saeckma). Johannes Saeckma hat sein Exemplar dem Studienfreund
Johannes Sopingius (1573-1615) ausgeliehen, wie wir dessen Brief vom 19. Januar 1596 neuen
Stils entnehmen; Codex Saeckma Nr. 200. |
|
Ein halbes Jahr später, am 25. Februar 1597(32), vor der Frankfurter Ostermesse, reagiert Saeckma auf Casaubons Brief, den er immer wieder mit grosser Begierde gelesen und seinen Freunden gezeigt hatte. Die Freundschaft Casaubons ist für ihn wie die Belohnung eines Anwalts nach dem Prozessgewinn.(33) | 32. Brief Nr. 8. |
Dass Ihr Sueton hier solchen Beifall erhalten hat, ist kein Wunder, weil die Unseren, ich meine die Gelehrten, ja alle Philologen überall, Ihre Arbeit nicht nur als geschmackvoll, sondern auch als gelehrt beurteilen, und sogar der Zeder(34) würdig. | 34. Erasmus, Adagium Nr. 3054: digna cedro. Casaubons Sueton hat Ewigkeitswert. |
|
Mit einem Zitat aus den Gesetzen Platons(35) schliesst Saeckma sein Lob dieser Ausgabe: Aus diesem Grund ist es also nicht verwunderlich, dass der Rektor Magnifikus(36), Drusius und die anderen Professoren Sie in unsere Franeker Akademie aufnehmen wollten. Sie haben dies im vergangenen Jahr in der Staatenversammlung vorgebracht, weil sie der Meinung waren, dass unsere Universität durch Sie wie eine Sonne sozusagen vor allem auch für andere Philologen zu leuchten beginnen würde, und weil sie aus Mitteilungen jener, die als Freunde Sie durch und durch kennen(37), unterrichtet waren über Ihre Frommheit, Freundlichkeit, Ihren aufgeschlossenen Charakter, sowie über Ihre reichlich vorhandenen Fähigkeiten im Unterrichten. | 35. Plato Laws - Loeb classical library Nr. 187, London 1967 - III 688d: Wenn wir Ihnen unser
Lob allein mit Worten zeigen würden, wäre Ihnen das eher peinlich; wir werden Sie aber
bestimmt durch eine Tat loben; bereitwillig werden wir nämlich Ihren Worten folgen. -
Saeckma besass den Platonfoliant Venedig 1513 'in aedib. Aldi, et Andrae soc.'; vgl. Bibliothek
Saeckma (Anm. 28), S. 35 Nr. 129. |
|
Was Saeckma und Drusius geschrieben hatten, waren also nicht bloss freundliche Worte gewesen, sondern ernste Vorhaben der Professoren und einiger anderer, die Casaubon gut gesinnt waren(38). Doch die Provinzialstaaten waren im Vorjahr (1596) zu sehr beschäftigt mit der noch immer drohenden Kriegsgefahr von Seiten der Spanier; was in Sachen Franeker beabsichtigt wurde, verlief nicht nach Wunsch. 'Wir haben jedoch noch nicht jede Hoffnung aufgegeben. Voraussetzung ist, dass Rune ins Land kommt und den Provinzialstaaten somit mehr Zeit bleibt, die Akademie besser zu fundieren und auszurüsten.' | 38. Dabei ist u.a. an Reiner van Camminga zu denken. Siehe Anm. 47. |
|
Seinen Beitrag für den Sueton spielt Saeckma, bescheiden wie er ist, herunter: er hat in seinem eigenen Exemplar(39) gelesen, dass Casaubon zu der Stelle mehr als er selbst beigetragen hat. Auch will er Casaubon nicht länger von der Beschäftigung mit der Literatur abhalten. Mit Nachrichten mache er, wie er von früher wisse, Casaubon, wie dessen Theophrast(40) sagte, keine Freude. Wolle Casaubon dennoch etwas vom Zustand in den Niederlanden erfahren, so könne er sich das von Lect erzählen lassen, dem Saeckma auch geschrieben habe. Wie er vor kurzem gehört habe, sollte Casaubon jetzt auch einen Brief von Drusius erhalten haben. Obwohl Saeckma diesen Brief in Eile geschrieben hat, ist er ausgewogen. Genauso wie sein verehrter Professor baut Saeckma griechische Zitate ein: griechische Sprachkenntnisse waren damals nicht mehr allgemein, sondern Unterscheidungsmerkmal bei Gelehrten. Als humanistisch geschulter Jurist war Saeckma zugleich Philologe. | 39. Vgl. Anm. 28 und 31. |
>> begin
|
Am 25. August 1596 schreibt auch Lect seine Antwort(41) an Saeckma: Beide Briefe wurden zusammen mit Wiardas(42) Schreiben zuerst nach Frankfurt(43) und von dort nach Friesland überbracht. Denjenigen, die Saeckmas Brief mitgebracht haben,(44) wird er alle Freundschaftsdienste erweisen sowie auch anderen, die eine Empfehlung von Saeckma bekommen werden. Dies heisst: Lect nimmt Studenten aus Friesland in sein Haus auf. Da er, wie Saeckma weiss, ein sehr beschäftigtes Leben führt und auch fast ein halbes Jahr wegen Privatangelegenheiten in Frankreich gewesen ist, möge Saeckma seine späte Antwort entschuldigen. Vor kurzem habe er seine Vorlesungen wieder aufgenommen und dies mit mehr Freude, da der frühere Kollege der Rechtswissenschaft Julius Pacius wieder nach der Universität Genf zurückgekehrt sei.(45) Franz van Camminga(46) hat in Genf Schulden hinterlassen. Lect lässt dessen Eltern(47), sowie den Roorda(48) und den Schotanus(49) grüssen. | 41. Brief Nr. 5. |
|
Einen kurzen Brief(50) für Saeckma - Lect ist genauso wie Casaubon immer sehr beschäftigt - gibt Lect am 17. August 1597 dem Wiarda mit, der Genf verlässt. Von letzterem möge dem Saeckma mündlich berichtet werden, was Staatsangelegenheiten, Lect selbst, vor allem aber den Krieg anbelange. Er schickt ein Exemplar seines Kommentars zu Aemilius Macrus mit. Die Paraphrasen zu Jonas(51) sind noch im Druck. Er bittet um ein Urteil ohne Umschweife von Saeckma und anderen Gelehrten Frieslands. Den Schotanus sowie den Lydius(52) und den Drusius lasst er grüssen; beide letztere sind ihm nicht nur durch Freundschaft, sondern auch durch ihre Schriften bekannt. Karl Roorda werde er dann schreiben, wenn er mehr Zeit habe. | 50. Brief Nr. 10. |
|
lm Jahre 1598 wurde der Genfer Staatsmann Jacques Anjorrant (1566-1647) als Delegierter nach den Niederlanden geschickt.(53) Lect, der sich für diese Mission entschuldigt hatte, gab ihm einen undatierten Brief(54) für Saeckma mit. Wahrscheinlich ist der Brief vom 28. Marz 1598, an welchem Tag Lect den Anjorrant auch Janus Dousa dem Älteren, im Haag empfohlen hat.(55) Zweck der Mission war finanzielle Unterstützung für Genf von den Generalstaaten zu erlangen und, wie sich dem Brief an Saeckma entnehmen lässt, auch von den Provinzialstaaten Frieslands. | 53. Vgl. H. de Vries de Heekelingen, Genève pépinière du calvinisme hollandais. I. Les
étudiants des Pays-Bas a Genève au temps de Théodore de Bèze. Fribourg (Suisse) 1918; II.
Correspondance des élèves de Théodore de Bèze après leur départ de Genève. La Haye 1924.
II, S. 51 Anm. und Kapitel D. Délégations aux Pays-Bas. |
|
Im Herbst ist Anjorrant in Friesland gewesen. Trotz des grossen Defizits dem Krieg zufolge hat Friesland auf Fürsprache des Saeckma und anderer Freunde, wie Camminga(56), 300 Pfund gegeben und ausserdem die eigenen Abgeordneten im Haag noch zu einer kleinen Subvention ermächtigt. Darüber berichtet Anjorrant aus Haag am 1. Dezember 1598.(57) | 56. De Vries de Heekelingen II Nr. CXCI1, S. 400. |
|
Anjorrant hat sich längere Zeit in den Nördlichen Niederlanden aufgehalten. In der Abrechnung(58) werden die Beiträge von den Provinzen Holland (6455), Zeeland (1588), Utrecht (657), und Groningen (753) genannt; Friesland, das durch die grosse Fraudierung ihres Generalempfängers zusätzlich geschwächt war, hat zwar nur 350 Gulden gestiftet(59), war jedoch die erste Provinz, die zugesagt hat. | 58. Genf, 18. Mai 1599. De Vries de Heekelingen II Nr. CXCII. |
|
Lect bittet Saeckma in seinem Brief von 1598 den Schotanus, Aysma(60), Lycklama und andere,
nicht genannte Freunde zu grüssen. Jeden Tag erwarte er den Casaubon wegen des Erbes von
dessen Schwiegervater Henri Estienne in Genf. Er hoffe sogar, dass Casaubon bleiben werde,
vor allem wenn Friesland die Universität Genf mit einem kleinen Beitrag unterstützen werde. | 60. Tacitus/Taco Aysma, der friesische Jurastudent der sich auf seiner Peregrinatio am 27.
September 1594 in Heidelberg hatte immatrikulieren lassen. Dort hat er sich Wiarda
angeschlossen. Beide sind vor dem 21. Juni 1596 im Gefolge des Professors Pacius nach Genf
gezogen; vgl. Brief Nr. 3. Am 12. Dezember 1596 sind Aysma und Wiarda noch in Genf; vgl.
Brief Nr. 7. Möglicherweise hat Aysma Genf zusammen mit Wiarda im August 1597 verlassen;
vgl. Brief Nr. 10. Weiter konnte seine Peregrinatio nicht verfolgt werden; unbekannt ist, ob er
promoviert hat; jedenfalls nicht in Basel. |
|
Am 1. August 1609 hat Saeckma den Besuch seines Schwagers Evert Boner(66) in einem Brief angekündigt. Einige Tage nachdem er diesen Brief erhalten hat, am 5. September, antwortet Lect.(67) Er werde Boner, wenn er komme, seine grösste Zuneigung erweisen und ihm auch den eingeschlossenen Brief Saeckmas überreichen. Da er in diesem (Studien)Jahr im Genfer Rat fungiere, werde er die Betreuung von Boners Studien vor allem seinem Kollegen(68) anvertrauen. Vom Überbringer, einem Soldaten(69), könne Saeckma mehr vernehmen. Gelegenheit öfters zu schreiben werde es geben, wenn Saeckmas Schwager gekommen sei. Die Adressierung des Briefes zeigt, dass Lect darüber informiert ist, dass Saeckma als ausserordentlicher Abgeordneter Frieslands zu den Generalstaaten im Haag entsandt worden ist.(70) Er grüsst Saeckmas Kollegen Hillema(71), an den er sich nicht nur dem Namen nach erinnert. In den vergangenen Jahren haben die Studenten Fabian van Vliet(72) und François Fagel(73) bei ihm gewohnt. Sollten sie, wie er vermute, im Haag sein, so möge Saeckma sie von ihm grüssen. | 66. Franeker Nr. 677: 17.11.1601 Everardus Alberti Boner. iur.; 1607 Marburg; 15. XII. 1608
Heidelberg; Basel 14. VII. 1609: Promotion 2. X. 1609 (Mommsen Nr. 1003),
Promotionsregister 5. X. 1609. lm Genfer Matrikel kommt Evert Boner nicht vor, er ist aber
bestimmt bei Lect gewesen. lm Jahre 1610 wurde er Anwalt in Leeuwarden, 1623 Ratsherr. Er
starb 1639. Saeckma hat 1603 dessen Schwester Hylck Boner geheiratet. |
>> begin
|
Ein Gruss, den Casaubon seinem Brief an Drusius vom 17. September 1612 aus London hinzufügt(74), hat Saeckma veranlasst, wieder mit Casaubon Kontakt aufzunehmen. Zwei Tage nach Empfang von Saeckmas Brief, am 21. Februar 1613 antwortet Casaubon seinem Freund, dem Rechtsgelehrten und Ratsherrn im obersten Gerichtshof Frieslands.(75)Er adressiert Franeker statt Leeuwarden, vermutlich weil er zugleich einen Brief an Professor Drusius schickt. Er, Casaubon, wie immer sehr beschäftigt, arbeite zur Zeit an einer Widerlegung des Cäsar Baronius, was Saeckma, wie er dessen Brief entnommen habe, bekannt sei.(76) In einer Nachschrift lässt Casaubon den Sibrandus Lubbertus grüssen. | 74. Brief Nr. 14. Virum amplissimum, dominum Saeckmam, veteri amicitia mihi iunctum, meis
verbis, nisi grave est, quam officiosissime salutabis. |
|
Nicht lange danach, am 11. März 1613(77) beantwortet Casaubon einen Brief des Hector Bouricius(78). Dieser hatte ihn 1612 in London besucht. Bouricius war 1593 in Leeuwarden geboren, hatte vom 4. Mai 1608 bis Ende 1609 in Franeker Jura studiert und danach eine Peregrinatio academica(79) nach Löwen, Douai, Dôle, Paris und Orleans unternommen. In Löwen war er Bakkalaureus geworden, in Orleans Doktor. Wann genau Bouricius bei Casaubon war, ist nicht bekannt. Am 26. Mai 1613 hat er sich am Gerichtshof von Friesland als Anwalt immatrikulieren lassen. | 77. Brief Nr. 17. |
|
Es zeigt sich, dass Saeckma als Makler(80) der Freundschaft zwischen Bouricius und Casaubon fungiert hat. Dem Saeckma habe er, so schreibt Casaubon an Bouricius, vor kurzem erst geschrieben; ob dieser Brief(81) schon angekommen sei, wisse er noch nicht; er habe keine Zeit gehabt, dem Saeckma auch jetzt zu schreiben. Er sei Tag und Nacht beschäftigt mit einer Arbeit, in der er die vielen und manchmal krassen Fehler des Cäsar Baronius, des Begründers der Kirchengeschichte, bekanntmache.(82) Weil der König von England James I. vor allem für theologische Sachen und kaum für die Literatur ein Interesse zeigt, muss Casaubon sich vom Polybiuskommentar(83) fernhalten, im Gegensatz zu dem, was ihm in Paris von Heinrich IV. erlaubt war. Ein halbes Jahr später(84) berichtet Casaubon ganz kurz, dass ungefahr 100 Seiten des ersten Abschnitts fertig sind. Er will diejenigen, die fordern, dass Baronius als unfehlbar betrachtet wird, auf dessen Schwächen aufmerksam machen. | 80. ... ego de nuper inter nos contracta amicitia eo melius spero, quia intervenit illi quasi
proxeneta vir amplissimus et integerrimus Iohannes Saeckma ... |
|
Hector Bouricius hat diese zwei Briefe am Ende seiner Oratio anniversaria dicta honori literarum principis Isaaci Casauboni im Jahre 1615 abdrucken lassen.(85) Diese Oratio beginnt mit einem kurzen Schreiben vom 15. August 1615, in dem Bouricius die Gelegenheitsausgabe seinem Freund, dem Ratsherrn Johannes Saeckma anbietet. Am Anfang steht eine Begründung der Ausgabe, in der die Anteilnahme der Respublica literaria an dem Tod ihres gemeinsamen Freundes bezeugt wird. Die Oratio an die Burger der Respublica literarum ist nicht nur eine literarische Form, sondern auch eine wirklich ausgesprochene Ansprache. Man kann sich den Anwalt Bouricius als Redner in der Ratskammer oder, was gerade in den Sommerferien möglich war, im grossen Saal des obersten Gerichtshofes von Friesland in Leeuwarden vor den zwölf Ratsherren, den Anwälten und anderen humanistisch geschulten Gelehrten vorstellen. Der Oratio folgen noch zwei Gelegenheitsgedichte des Bouricius auf den Tod und das Grab des Casaubon und eins von Pierius Winsemius(86)anlässlich des ersten Jahrestages von Casaubons Tod. Die Ausgabe schliesst mit einer Beurteilung des Verstorbenen von Justus Lipsius und Dominicus Baudius. Wie die Druckfehler zeigen, ist diese Gelegenheitsschrift in grosser Eile gedruckt worden. Dennoch konnte sie erst nach dem l. Juli alten Stils, dem Sterbetag des Casaubon, erscheinen. | 85. Leovardiae, excudebat Abrahamus Radaeus; PBF Signatur C 20878. |
|
Die Oratio ist ein Musterbeispiel für das gelehrte Humanistenlatein des hochbegabten Bouricius: grosse Namen wie Erasmus, Thomas More, Lipsius und Scaliger werden in dieser Lobrede, die zugleich eine Kurzbiographie des Casaubon enthält, erwähnt. Nach der Meinung des Franeker Professors Sixtinus Amama(87) gab es damals ausser dem Leidener Philologen Daniel Heinsius keinen, der sowohl in Prosa als auch in Poesie, besser und blumenreicher als Bouricius schrieb. Anders formuliert heisst es bei Winsemius: Während unsere Juristen wegen der Beschäftigung mit der Gerichtspraxis und durch die Vernachlässigung des Studiums nicht dazu imstande waren oder wegen Unerfahrenheit Bedenken hatten, hat allein Bouricius eine Probe der lateinischen Beredsamkeit des Gerichtshofes gegeben, indem er des berühmten Casaubon in einer Lobrede gedacht hat.(88) Kündigt sich hier das Ende des Humanismus in Friesland an? | 87. Vgl. U. Huber, Opera minora et rariora, iuris publici et privati. Edidit Abrahamus Wieling.
Traiecti ad Rhenum 1746. Tomus primus. Oratio VI., S. 134. |
>> begin
|
Im obenstehenden ist die überlieferte Korrespondenz zwischen Saeckma einerseits und Casaubon und Lect andererseits behandelt worden. Obwohl sich die Briefe Saeckmas mit wenigen Ausnahmen nicht erhalten haben, kann manches den Reaktionen von Casaubon und Lect entnommen werden. Hinzugezogen sind einige andere Briefe, in denen Saeckma erwähnt wird: zum Beispiel der Brief vom 13. August 1613, in dem Casaubon den Lubbertus bittet, Saeckma zu grüssen.(89) Der letzte Brief von Casaubon an einen Friesen, ebenfalls Professor Lubbertus, datiert übrigens vom 23. April 1614. | 89. Brief Nr. 18: Virum dominum Saeckma meis verbis salvere, nisi grave est, iubeto. |
|
In der Übersicht am Schluss dieses Aufsatzes werden auch Briefe aufgeführt, aus denen nicht zitiert worden ist: diese sind von Casaubon an andere Friesen(90) gerichtet und manchmal gleichzeitig mit Briefen an Saeckma versandt worden. Die behandelten Briefe zeigen alle, wie die Beziehungen zwischen Friesland und der Universität Genf gewesen sind. | 90. U.a. an Foppe van Aitsema, der eine Peregrinatio nach Frankreich unternommen hat. Aus Briefen an Drusius zeigt sich, dass Drusius eine Reise nach Frankreich machen wollte (Nr. 588) und dass Casaubon alle Schriften von Drusius in seiner Privatbibliothek hatte (Nr. 832). |
Nach seiner Peregrinatio academica spielte Saeckma darin eine wichtige Rolle. Auf seine Empfehlung wurden friesische Jurastudenten in Genf von Lect aufgenommen. Ohne Empfehlung konnte kein Student eine ausländische Studienreise antreten.
Die Weiterentwicklung der Universität Franeker stockte, weil Friesland noch nicht von Kriegsgefahr befreit war und grosse finanzielle Probleme hatte. Aber auch sonst hatte Casaubon wohl kaum nach Franeker gelockt werden können, da den berühmten Philologen dort keine reiche Universitätsbibliothek erwartete. Auf Empfehlung von Saeckma besuchte Bouricius den Casaubon in London. Hector Bouricius war, wie Saeckma, ein humanistischer Rechtsgelehrter, also zugleich Jurist und Philologe. Ausserdem zeichnete Bouricius sich durch ein vorzügliches Humanistenlatein aus, wie sich in seiner Lobrede auf Casaubon zur Gedenkfeier dieses höchsten Vertreters der Respublica Literarum zeigt.
>> begin
Die Angaben beziehen sich bei Casaubon auf Briefnummer und Seite der Ausgabe von Jansonius ab Almeloveen (vgl. Anm. 4) und bei Lect auf Bandnummer und Seite der Arbeit von de Vries de Heekelingen (vgl. Anm. 53). Von einigen der Briefe gibt es keine Druckvorlage: diese sind nur als Abschriften überliefert und werden in der 'Provinciale Bibliotheek van Friesland' (PBF) in Leeuwarden aufbewahrt.
In Frankreich wurde Ende 1582 der neue Kalender eingeführt, in Friesland und Groningen sowie in Basel und Genf und im evangelischen Deutschland Ende 1700, in England 1752; vgl. H. Grotefend, Taschenbuch der Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit. Elfte Auflage. Hannover 1971, S. 26-27. Somit sind die Briefe Casaubons aus Montpellier und Paris nach dem neuen Stil datiert. Alle anderen Briefe tragen ein Datum alten Stils, mit Ausnahme eines Briefes* von Casaubon aus London an Drusius. Das vorangestellte Datum in der Liste ist rücklaufig zu lesen. Diese Liste ist gegenüber der Ausgabe 1992 mit vier Briefen - kursiviert - von Saeckma an Casaubon erweitert.
>> begin
Brief Nr. 15:
Leeuwarden, 2. Januar 1613. - Bouricius dankt und lobt Casaubon, bei dem er 1612 in England auf Empfehlung seines Freundes Saeckma klassische Philologie betrieben hat. (Abschrift: Codex Saeckma Nr. 262).
Isaaco Casaubono viro clariss. Hector Bouricius s.d.
|
Inter praeclaras animi ac ingenii tui dotes, quibus iam dudum factum est, ut nomen famam ab iniuria mortalitatis vindicaris, una tua humanitas sic enituit apud omnes bonos, ut merito tuo Africum(91) eulogion tibi adscripserint, sisque et audias inter optimos clarissimus, et inter clarissimos optimus, inter utrosque doctissimus, nec iniuria, cuius nempe candor, virtus, doctrina sic apud disertos ac ignotos ex politissimis monimentis elucet, ut unus videare, qui hoc saeculo literariam viam recto pede calcaris, benevolentia autem et comitas sic omnibus innotuit, ut unus videare virtutem et doctrinam coniunctas habuisse, quae res cum alias saepe, turn nunc praecipue animum incredibili cupiditate accendit literis mei te adeundi. | 91. Nach Publius Cornelius Scipio maior, der für seinen Sieg im Jahre 202 v. Chr. über Hannibal den Ehrennamen Africanus erhielt. |
|
Quo facilius dabis veniam, quae tua est humanitas peccati aut erroris, si quid est, quod qui coram anno superiore fores benevolentiae tuae pulsavi, et intromissus haud gravate sum, idem nunc tentem per alloquium stili, simul quo gratitudine debita me exsolverem, et tu scires esse in hoc ad Oceanum termino(92) - Frisiam dico - virtutis ac doctrinae, hoc est tui taliumque unicos admiratores, ac confirmavit me in hoc proposito vir clariss. Ioannes Saeckma, Frisiae nostrae senator laudatiss., qui quoties subit animum cogitatio de literis ac literatis, subit autem frequentissime, te vir maxime, solem literatorum solitus est appellare. Enimvero sic de te statuunt omnes boni doctique, ut effaeta virorum litterarumque nostra aetas te solum produxerit et eduxerit, qui dictator remp. litterariam gereres, videresque ex vetusto scito, ne quid detrimenti resp. caperet, qua in re te talem praestitisti, ut sive praestantiam in ingenio, industriam in cura, facundiam in stilo, peritiam in linguis, scientiam in cunctis species, primas facile tibi deferant quotquot amamus literas. Itaque tuo beneficio Strabo, Polybius, Suetonius, Persius emendatiores melioresque leguntur, fecistique ut horum scripta tibi lucem vitamque aeterno munere debeant, posteritatem vero tanto nexu obstrinxisti, ut te coelitus [Griechisch:] mèchanès literis eruendis aut dirigendis, datum terris cum aeterno tuo decore agnoscant. Posset unus Polybius luculenter facere testatum, qua tu vi ingenii, gravitate iudicii, excellentia polleas doctrinae, nisi haec ipsa tibi scriberem vir incomparabilis, cuius quanto sublimior erit famae perennitas, tanto tu procul ab ambitione famaeque sacra fame abes. Ego, vir praestantissime, quod ab initio dixi, te admiror, ac ut diu terris supersis literarum bono, Deum comprecor. Vale. Leoverdiae Fris. 4 Nonas Ian. MDCXIII. [Ohne Adresse] | 92. Bezieht sich auf den steinernen Grenzpfahl mit Januskopf, der 1576 auf den Seedeich südlich von Harlingen aufgestellt wurde. Der 'stiennen man' ehrt den spanischen Befehlshaber Kaspar de Robles, der den Deich von der nördlichen und der südlichen Deichgenossenschaft ausbessern liess. |
>> begin
M.H.H. Engels, 24 juni 2003