Auswahl erschienener Rezensionen
| Rezension in WIENER ZEITUNG/ EXTRA vom 31. 10. 2009: BUCHSTABENSUPPE |
Christl Greller "Das Wunderbare keimt schließlich überall, auch im Unscheinbaren und im Verborgenen", sagt Christl Greller über ihre Texte. Es sind prosaische und lyrische; jüngst erschien ihr Gedichtband "bildgebendes verfahren", in dem sich die eingangs zitierte Erkenntnis auf mancherlei Art frei rhythmisch manifestiert: in psychologischen Reflexionen ("eine liebe", "suche", "selbstfindung"), in Natur-Spiegelungen ("waldviertelwinter", "vollmond", "eissee") oder in Stadt-Betrachtungen. Grellers lyrische Hauptstadt ist zweifellos Wien: "stadt am strom. / die donau kümmert das nicht. / und fließt vorbei. / / das obszöne an wien ist sein fluss." David Axmann |
LITERARISCHES
ÖSTERREICH Wien 5,KETTENBRÜCKENGASSE
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Christl Greller Die erst kürzlich für ihre Lyrik mit dem
Wilhelm-Szabo Lyrikpreis ausgezeichnete Autorin stellt hier ein neues
Prosawerk vor. In unverwechselbarem, immer dem Thema angemessenen
Stil führt uns Greller nicht in eine exotisch ferne, sondern
sozusagen exotisch nahe Welt. Nur zu gut bekannt ist uns dieses Terrain,
der Alltag, doch wie fremd wirkt er manchmal auf uns, da wir uns so
ungern geistig mit ihm auseinandersetzen! So sagt in "Klassentreffen"
der "Alte": So alte Leute will ich nicht treffen. Doch er
weiß sich sonst nirgends zugehörig. Romantische Gefühle
hegt er zwar nach wie vor, doch es bleiben flüchtige Träume,
wie er selber nur zu gut weiß. Wolfgang Ratz |
LITERARISCHES
ÖSTERREICH Wien 5,KETTENBRÜCKENGASSE
11 |
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Christl Greller Diese Gedichte sind die Schmerzensernte eines unruhigen Herzens. Ihr „Inhalt” lässt sich am besten dadurch bezeichnen, dass man ihre Schlüsselworte herauslöst und aneinanderreiht, „winddurchfauchte erinnerung” etwa, und „weltraum ist zeit-raum./sein herz die veränderung.” Der Mensch ist „straßenkehrer der eigenen vergangenheit”. Die laut schmatzende Zeit wird zu Kerkerstäben. Das Leben beginnt unter der Peitsche: „unter dem hämmern der uhr./ unter dem ticken der quarzuhr./ unter dem schweigen der peitsche.” Viel an Bitterkeit ist angehäuft in diesen Gedichten, in denen man keiner Lieblichkeit begegnet, es sei denn einer, die total verfremdet ist oder sogar einer, die sich selbst „zerfleischt”. Christl Greller hat den Mut, auszudrücken, was sie empfindet, denkt, wie sie Leben erfährt. Dementsprechend gibt es viele Ich-Gedichte, in denen nichts (und doch alles) preisgegeben wird. Kaum überraschend ist es, dass der Band auch zeit- und sozialkritische Gedichte enthält, die vor einer Zukunft warnen, in der nur das Wachstum der Wirtschaft und Gewinnmaximierung den Ausschlag geben: „das strahlen / nicht mehr gemessen in glück / sondern in becquerel.” Das ganze, die „wortsaat” einer Suchenden, die sechs Hände haben möchte: „...zwei zum bedecken der augen. Sie sehen/ für dich ringsum nur gefahr. / zwei, um es festzuhalten, mein herz. / eine, um meinen mund zu verschließen / gegen den klagenden schrei. / und eine, um dir zum abschied zu winken, / mein kind.” Fast alle Gedichte Christl Grellers haben einen epischen Faden, in den oft auch Aphoristisches eingezwirnt ist. Das stärkste dieser „epischen” Gedichte begreift den Tod als atemlos stoßenden besitzergreifenden keuchenden Liebesakt. Kennzeichnend ist eine fast zornige Scham Grellers, wenn ihr Schönes gelingt, so in dem „Liebeslied”, in dem ganz bewusst die Stimmung dreimal gebrochen wird. Eines der berührendsten Gedichte Christl Grellers ist einem Bahndamm ihrer Kindheit gewidmet, das mit rein lyrischen Zeilen ausklingt, die ihr inneres Wesen sichtbar machen: „hinter dem schranken stehend, / dem vorhang aus leise klingelnden stäben, / den kopf von links nach rechts reißen / im vorbeidonnern des zuges. / rhythmisch stampfend im takt / mein erregtes herz - o! – / aufgesprungen - / kleiner und kleiner werdend / auf dem letzten waggon...” Auffallend ist es, dass es nur wenige Landschafts- und Naturgedichte in diesem Band gibt, die topographisch einer bestimmten Region zuzuweisen sind. In summa: Ein Gedichtband ohne Belcanto, wenn auch ein Gedicht mit dieser Bezeichnung überschrieben wird. Es ist bezeichnend, dass dieses Gedicht vom Konzert dem „Konzert” von Hunden gewidmet ist, die nachts voll Verzückung und ekstatisch in den Himmel heulen. Inmitten der Vergeblichkeiten und der Klage und dem „schwemmsand der vergangenheit” Sehnsucht, entrückt unter Sternen zu ruhen, und die Tafel einer Erkenntnis: „sterne, gewaltige sonnen. / überstrahlt vom / licht einer lampe - / groß nur von der nähe. / auch ich / verstelle den ausblick / mir selbst.” Einer Richtung zuordnen lassen sich die Gedichte Christl Grellers kaum. Aber wozu auch? Man soll sie lesen und in sich aufsteigen lassen. Paul Wimmer |
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